Einleitung: Warum Holz besondere Aufmerksamkeit braucht
Holz reguliert Feuchte, fühlt sich warm an und steht für gesundes Wohnen. Elektrobiologisch bringt es eine Besonderheit mit: Durch Hygroskopie und fehlende leitfähige Massen leiten Holzbauteile niederfrequente elektrische Wechselfelder (NF) nicht ab. In der Folge können sich erhöhte Feldstärken am Schlafplatz und im ganzen Haus ergeben. Aus dem Wunsch ein gesundes Haus zu haben, wird hier leider schnell das Gegenteil daraus. Der Standard der Baubiologischen Messtechnik (SBM2015) empfiehlt hier eine konsequente Vorsorge, insbesondere in Schlaf- und Regenerationsbereichen.
1. Der technische Hintergrund in Kürze
- Hygroskopie: Holz nimmt Luftfeuchte auf. Mit steigender Holzfeuchte sinkt der spezifische Widerstand lokal. Elektrische Felder „koppeln“ stärker an Flächen und Möbel.
- Fehlende Ableitung: Im Gegensatz zu Stahlbeton fehlt die über Bewehrung und Hauserder gegebene, großflächige Ableitung. In Holzgebäuden können sich Niederfrequenz-Felder großflächig aufbauten.
- Körperspannung: Menschen im Abstand von ~1–1,5 m zu feldbehafteten Flächen koppeln kapazitiv an; messbar als erhöhte Körperspannung oft Werte im extremen Bereich nach SBM2015.
- HF-Durchlässigkeit: Holz dämpft Hochfrequenz (HF) weniger als Stahlbeton. Außenquellen (Mobilfunk) und Innenquellen (WLAN/DECT) wirken stärker in den Raum.
Praxisfolge: Holzbau braucht ein elektrobiologisches Planungskonzept, sonst sind erhöhte Hoch- und Niederfrequenz Expositionen unvermeidbar.
Bewertung nach SBM2015: Worauf es ankommt
Priorität Schlafplatz. Ziel sind möglichst niedrige Werte für erholsamen
Schlaf.
- NF elektrische Felder 50 Hz (erdbezogen): Richtwerte SBM2015 für Schlafbereiche orientieren sich an Vorsorge.
- NF magnetische Felder 50 Hz: Quellen sind Trafos, Leitungsbündel, Hausanschlüsse.
- HF-Felder: Endgeräte, Router, Repeater, DECT sowie Außenversorgung.
Empfehlung von WohnBauBiologie: Screening → Detailmessung → Maßnahmenplan → Umsetzung → Nachmessung mit Messprotokoll.
Holzbau vs. Stahlbeton: der elektrobiologische Unterschied
- Stahlbeton: Bewehrung ist in der Regel in den Schutz-/Funktionspotentialausgleich eingebunden. NF-Felder können über großflächige leitfähige Strukturen besser abgeleitet werden.
- Holzbau: Tragwerk und Innenflächen sind elektrisch nicht leitend ausgeführt. Ohne gezielte Maßnahmen fehlen Ableitpfade; Feldaufbau ist leichter möglich.
Maßnahmenpaket für Holzhäuser (SBM2015- und Umweltmedizin konform)
Planung & Elektroinstallation
- Abgeschirmte Installationskabel für Steckdosen- und Lichtkreise einplanen.
- Schalterprogramme/Leitungsführung schlafplatzfreundlich (keine Leitungsbündel über Bettkopf).
- Netzfreischalter für Schlafräume vorsehen; fachgerecht mit WohnBauBiologie planen, dimensionieren und prüfen. Empfehlung Funknetzfreischalter verwenden, da diese weniger fehleranfällig sind.
- Potentialausgleich/Erdung konsequent nach Norm, auch für leitfähige Einbauten und ggf. abgeschirmte Flächen.
- Licht & Trafos: Keine Netzteile/Dimmer in Bettkopfnähe; Niedervolt-Licht mit externen, entkoppelten Netzteilen. E-Smog freie Leuchten verwenden.
HF-Management im Holzbau
- LAN statt WLAN für stationäre Geräte; Routerleistung reduzieren, Nachtabschaltung per Zeitschaltuhr.
- DECT-Basis mit Eco/Full-Eco; ideal: schnurgebundenes Telefon am Router.
- Selektive HF-Schirmmaßnahmen (z. B. Hochleistungsabschirmfarbe T98WB, GPA Gewebe, High-Shielding Vorhänge) nur nach Mess- und Nutzungskonzept und immer fachgerecht geerdet.
- Außenversorgung prüfen: Antennensichtlinien, Fensterflächen. Gezielte Schirmung.
Quick-Wins im Bestand
- Bett 50–100 cm von Wänden mit Installationen abrücken oder Vollabschirmung.
- Ladegeräte aus dem Schlafzimmer verbannen.
- Kabel-Headset/Freisprechen statt Handy am Kopf.
- WLAN/Repeater eliminieren, Routerstandort optimieren.
- LAN-Netzwerk einrichten
- Messbare Körperspannungs-Reduktion als Wirksamkeitskriterium.
Häufige Fehler im Holzbau
- Nur „HF-Thema“ betrachten, NF übersehen.
- Schirmmaterial ohne Erdung einsetzen → Wirkung verpufft oder Felder verlagern sich.
- Leitungsbündel an Schlafwand, Netzteile in Bettnähe, Dimmer am Kopfende.
- Netzfreischalter falsch ausgelegt oder ohne Abnahme durch Spezialisten. 80% aller Netzfreischalter werden falsch oder fehlerhaft eingebaut.
Projektablauf mit Wohnbaubiologie
- Vor-Ort-Screening (SBM2015) mit HF/NF-Profil Schlafplatz.
- Detailanalyse von Quellpfaden, Feldverlauf, Körperspannung.
- Maßnahmenplan mit Prioritäten, Aufwand/Nutzen, Gewerke-Briefing.
- Umsetzung mit Elektriker/Innenausbau, begleitende Messungen.
- Nachmessung & Protokoll als Qualitätsnachweis.
Holzbau geplant oder bereits bewohnt?
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FAQ
Ist Holz „elektrobiologisch eine Katastrophe“?
Ja und nein, es ist planungsintensiv, wenn man es richtig machen möchte. Ohne Konzept entstehen oft höhere Expositionen. Mit richtiger Installation erreicht man sehr niedrige
Werte.
Braucht jedes Holzhaus Schirmmaterial?
Präventiv macht es Sinn, da nachträgliche Massnahmen sehr aufwendig sind. Zuerst organisatorisch-technische Schritte, dann selektiv baulich, stets mit Erdung.
Warum ist die Körperspannung im Holzbau oft höher?
Wegen fehlender Ableitpfade und kapazitiver Kopplung an große Holzflächen bei erhöhter Holzfeuchte. Alle Leitungen in Wänden, Decken und Böden strahlen 1- 1.5m ab.
